Wie alte Perlen mir etwas über mich selbst erzählten.

Hat es sich gelohnt, 15 Jahre lang eine Tüte voller kleiner Schmuckperlen aufzubewahren? Spoiler: ja. Aber anders, als ich gedacht hätte.

📝 Wir schreiben das Jahr 2012 (glaube ich zumindest). Ich bin mit meiner Familie auf einem Bazar in Russland unterwegs. Es ist laut und heiß – und ich stehe vor einer älteren Dame, deren Tische überquellen vor Haarspangen, Bürsten, Klammern, Haargummis. Und da, in der rechten Ecke, entdecke ich ein kleines Körbchen. Darin: Tütchen mit Perlen.

Damals war ich total verrückt nach selbstgemachtem Schmuck. Also nehme ich ein Beutelchen mit – und vergesse es. Das Abitur fordert seine Mühen, das Leben nimmt Fahrt auf, die Interessen wechseln, die Perlen wandern in eine Kiste. Und mit mir durch mehrere Umzüge. Bis sie fast in Vergessenheit geraten.

Fast.

Zurück zu den Wurzeln

Jahre später – ich bin erwachsen, auf der Suche nach meinem Stil, nach Farben, Formen, Kleidung, die sich nach mir anfühlt – stoße ich im Keller wieder auf diese Perlen. Und bin fast schockiert: Die Farben, die ich damals intuitiv ausgesucht habe, treffen heute wieder exakt meinen Geschmack. Braun, Grün, Petrol, Beige, Gold. Kein gezwungenes Rosa, kein „ich müsste mal wieder etwas femininer sein“-Flieder. Einfach ich.

Und da war sie wieder, diese Erkenntnis: Kinder wissen oft genau, was ihnen gefällt. Jugendliche lassen sich leicht beeinflussen. Und Erwachsene sind dann irgendwann wieder auf der Suche nach dem echten, unverfälschten Ich. Und das versteckt sich manchmal in einer alten Kiste voller Perlen.

📿 Und jetzt? Schmuck machen!

Natürlich trage ich keine schweren Armreifen oder riesigen Statement-Ohrringe mehr –im Haushalt würde es mich stören und die Ohrlöcher würden sich entzünden. Aber zarte Ketten, filigrane Fußbänder, gehäkelte Ohrringe? Ja, bitte! Hier ein kleiner Einblick in meine ersten Kreationen:

  • Grüne Halskette: 140 cm lang, alle 20 cm ein Trio aus Natursteinen – schlicht und schön. Ich habe mich sofort verliebt.
  • Braune Halskette: 125 cm – perfekt, um sie doppelt zu tragen. Alle 7 cm funkelt eine facettierte goldene Perle.
  • Rosane Halskette: Die letzte, leider aus qualitativ schlechten Perlen, die sich beim Auffädeln an meinen Fingern verfärbt haben. Nur 90 cm lang – also nichts zum Wickeln. Aber trotzdem irgendwie charmant.

🪡 Gefädelt habe ich alles auf Angelschnur (geht natürlich auch jede andere Bastelschnur oder Draht). Und weil ich paranoid bin, doppelt – sicher ist sicher.

Um’s Handgelenk wickeln? Sitzt leider zu locker. Aber um den Hals, zu Sommerkleidern,Häkelröcken, weil es schön ist – ja.

Und das hier ist erst der Anfang. Denn manchmal reicht eine Tüte voller alter Perlen, um sich selbst ein Stück näherzukommen.