Und macht ein einzelner Haushalt wirklich einen Unterschied?
Vor etwa zwei Jahren habe ich ein kurzes Video über „PlastikWolle“ auf TikTok geteilt. Es war überraschend das Video mit den meisten Kommentaren auf meinem Kanal überhaupt und hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema Mikroplastik und Handarbeitsgarne zu beschäftigen.
Ich habe danach angefangen, meine Acrylwolle auszusortieren und in Projekte zu verarbeiten – Decken, Cardigans. Mein Ziel war es, weniger Acryl zu kaufen und stattdessen mehr tierische oder pflanzliche Garne zu nutzen.
Doch dann kamen die Schwierigkeiten.
🧶 Nicht jedes Garn eignet sich für jedes Projekt
Ein wirklich warmer Winterpullover aus Baumwolle funktioniert für mich nicht – dafür wärmt die Faser einfach zu wenig.
Ich habe verschiedene Alternativen ausprobiert:
- Cewec CPH Dolce – ein wunderschöner grüner Cardigan, der leider trotz Shirt und Weichspüler kratzt.
- Mohair Delight von Hobbii – optisch perfekt, aber die Faser hat bei mir Juckreiz ausgelöst, sogar beim Stricken.
- Merinowolle – angenehm zu tragen, aber mit dem wichtigen Thema Mulesing verbunden.
Letztendlich bin ich wieder zu Acrylmischgarnen zurückgekehrt – besonders Kombinationen mit Baumwolle, Bambus oder Schurwolle. Sie fühlen sich angenehm an und bestehen nicht komplett aus synthetischen Fasern.
💧 Wie viel Mikroplastik entsteht beim Waschen eigentlich?
Bei meiner Recherche habe ich schnell gemerkt: Industrie, Großanlagen und Textilbetriebe verursachen deutlich mehr Mikroplastik als private Haushalte.
Trotzdem ist es sinnvoll, auch den privaten Bereich bewusst zu betrachten – denn wir sind nicht nur ein Haushalt, sondern viele.
Die meisten Studien arbeiten jedoch mit Bedingungen, die im Alltag kaum vorkommen:
- 6 kg Maschinenfüllung – komplett synthetisch
- 60 °C Waschtemperatur
- 1400 U/min
- Trocknernutzung
In vielen Haushalten sieht die Realität anders aus:
- die meiste Kleidung besteht aus Baumwolle (besonders Kinderkleidung)
- es wird bei 30–40 °C gewaschen
- nicht jeder hat einen Trockner, ich besitze auch keinen
🧵 Und wie sieht es bei handgemachter Kleidung aus?
Meine selbstgemachten Stücke wasche ich generell erst dann, wenn es wirklich nötig ist – also wenn sie sichtbar verschmutzt sind, man geschwitzt hat oder wenn das Kleidungsstück ausgedehnt ist.
Wenn bei mir alle paar Ladungen ein oder zwei Teile aus Polyacryl bei 30 °C mitgewaschen werden, entspricht das nicht den extremen Bedingungen der Studien.
🌱 Worauf es mir ankommt
Mir geht es nicht darum, perfekt zu sein, sondern bewusst:
- ✨ verschiedene Garne ausprobieren
- ✨ Mischgarne nutzen, wenn sie funktionieren
- ✨ kühler waschen
- ✨ Kleidung nur dann waschen, wenn es notwendig ist
Kleine Schritte können schon viel verändern – im eigenen Alltag und insgesamt.
🔗 Tipp:
Mehr über Fasern findest du im Garn-Lexikon.